Von Sina Gund
„Raus aus Afghanistan“ lese ich in großen Buchstaben vor mir. Ich stehe vor einer Litfaßsäule und hier hat wohl jemand der Linken vergessen, ein Plakat aus der Bundestagswahl abzuhängen. Ein merkwürdiges Gefühl überkommt mich. Es wird doch wohl nicht so weit gekommen sein, dass ich mit der Partei „die Linken“ übereinstimme? Wohl schon.
Denn in dieser Hinsicht scheint Die Linke die einzige Partei zu sein, die das Richtige fordert.
Vielleicht aus den falschen Gründen. Aber die anderen Parteien sollten sich wirklich Gedanken darüber machen, die deutschen Soldaten aus Afghanistan abzuziehen.
Warum?
Ich kenne die Argumente, weswegen wir in Afghanistan sind. Die Taliban und der Terror dürfen sich nicht weiter ausbreiten. Ja, aber Terroristen kann man auch in jedem anderem Drittland ausbilden, eine Fokussierung auf Afghanistan ist töricht. Aber wir können nicht in ein Land gehen, die ganzen Verhältnisse umstürzen und dann sich selbst überlassen. Wir haben eine internationale Verantwortung.
Nein, das geht so nicht. Wir haben eine internationale Verantwortung. Das Problem ist, dass Deutschland das Ganze völlig falsch angeht. Wenn man sich anschaut, was in letzter Zeit in Afghanistan passiert ist, dann läuft dort alles dramatisch schief.
Und ich möchte jetzt gar nicht auf die erneuten Todesfälle der deutschen Soldaten eingehen. Verluste muss man immer einstecken – aber wenn es wenigstens einen Sinn hätte! Stattdessen unterstützen wir den afghanischen Präsidenten Karsai, dessen Wahl manipuliert und gefälscht war und der nicht vom Volk akzeptiert ist. Wir als Demokratie unterstützen einen Wahlbetrüger!
Afghanistan wurde seit Jahrhunderten von Stammesführern beherrscht, ob das jetzt die Paschtunen, Durani, Ghilzai oder andere sind. Statt den Afghanen irgendeinen korrupten Präsidenten vorzusetzen, müsste man einen Strategie entwickeln, um gemeinsam mit den Stammesführern Afghanistan wiederaufzubauen.
Wir sollten der Bevölkerung helfen, die Landwirtschaft und Gewerbebetriebe aufzubauen. Nur, wenn die einzelnen Stämme, unterstützt von ihren Stammesführern, einsehen, dass die westliche Allianz ihnen wirtschaftliche Vorteile verschafft und aus ihrer Sicht nicht nur einen korrupten Präsidentenclan finanziert, würde ein weiterer Afghanistaneinsatz Sinn machen.
DAS sollten wir im Namen unserer internationalen Verantwortung tun und nicht unsere Soldaten völlig planlos (nämlich in einen Krieg unter Friedensheuchelei schicken, so dass sie nicht adäquat handeln können und wie die Fliegen wegsterben und Milliarden von Geld verpulvern) nach Afghanistan schicken. Für die Afghanen sind die deutschen Soldaten Besatzer und keine helfenden Kräfte!
Ist es doch bekannt, dass die Afghanen überhaupt nicht auf deutsche Hilfe eingehen, so wurden doch z.B. Waffen, die für die Polizeiausbildung vorgesehen waren, en masse auf dem Schwarzmarkt verkauft.
Deutschland muss verstehen, dass man Afghanistan nicht einfach eine Demokratie nach unseren Vorstellung aufzwingen kann. Aber die Einsicht scheint noch fern zu sein, denn bisher fanden flächendeckende, friedensfördernde Maßnahmen, die die Gesamtbevölkerung im Sinne der Demokratie zum Umdenken bewegen könnten, de facto kaum statt.
Deshalb halte ich es für das richtige, die deutschen Soldaten aus Afghanistan abzuziehen, zumindest so lange, bis eine neue Strategie unter Einbindung der Stammesführer entwickelt wurde.
Es würde schließlich auch niemand auf die Idee kommen, Sisyphos zu helfen den Stein den Berg hochzutragen. Weil es einfach keinen Sinn macht, wenn er wieder und wieder runterrollt.
Autorin kontaktieren:
Sina.Gund@junge-union-ortenau.de
[03.06.2010]